"Inside Ana"

Pro Ana. Alle die sich auf diese Seite verirren dürfte dies ein Begriff sein. Es ist die Bezeichnung für Magersüchtige, die ihrer Krankheit gegenüber „pro“ eingestellt sind.
Die Medien haben das Bild zerrissen. Kleine Schnipsel aus tödlichem Wahn und bis zum Tode abgemagerten Mädchen fielen zu Boden. Wir wurden verkannt, die „Szene“ die nie existiert hatte. Wir sind zu wenig um eine Szene zu sein.
Wannabes und ihre rosa glitzernden Sterne haben bestimmt dazu beigetragen. Auch sie sind Teil dieses Puzzles.
Dieses Bild aus rosa und schwarz hängt über allen Foren die sich mit „Pro-Ana“ identifizieren. Darunter sind Foren von jungen Mädchen die Magersucht für ein Spiel halten. Diese Foren verschwinden schnell.
Darunter sind aber auch Magersüchtige, Bulimiker, Fresssüchtige, die nach Jahren des Leides nur eins herbeisehnen, Verständnis. Sie wollen nicht gedrängt werden, unzählige haben schon so viele Therapieversuche hinter sich. Sie wollen als das begriffen und behandelt werden was sie sind. Menschen, wertvolle Menschen, mit einer grausamen Krankheit die jeden einzelnen Gedanken, jede Sekunde ihres Seins bestimmt.
Mädchen, zwischen denen oft eine Bindung, eine Freundschaft besteht und die einander niemals in den Tod gehen lassen würden. Eine helfende Hand, ein Lächeln in der Dunkelheit… all das. Nicht mehr und nicht weniger.

Nun ist der Begriff zerrissen und keiner kann ihn mehr retten. Im Endeeffekt, denkt ihr, ist es doch egal welchen Namen es hat, es ist das selbe. Das stimmt, aber so ist es eben nicht. Erwähnt man das Wort „pro“ wird gleich an „dafür leben“ gedacht, „die Krankheit wollen“.
In einer Welt in der Menschen nicht nach einem Wort urteilen, wäre das kein Problem.
Aber in dieser Welt ist es ein Problem.
Also wählten einige Foren das Wort „With“. „Mit der Essstörung“. Aber wir gehen ja nicht mit ihr, nein wir wollen sie nicht einmal haben.
Dennoch weckt das Wort schönere, bessere Assoziationen als „pro“.
Ein kompliziertes Netzwerk entsteht. Eine Konstruktion aus Buchstaben, gehalten von der Hoffnung einiger weniger.
„Pro-Ana“, das Fundament dieses Wortes liegt wahrscheinlich begraben unter Wannabe Seiten.
„With“. Mit.
Wir sind gebunden an Ketten. Wir leben in einer auferlegten Isolation und Trauer. Jeder Bissen wird zur Qual, jede erbrechen bringt dich näher an den Tod heran. Ständig diese Gewissensbisse. Ständig der Schmerz im Magen. Ein Begleiter? Die Essstörung? Mit ihr gehen. Neben ihr gehen.
Nein, so können wir uns nicht beschreiben.

Wir sind in ihr gefangen, wir sind an sie gekettet, sie ist ein Teil von uns, ein destruktiver, tödlicher Menschenfresser.
„Inside Ana“. Wir sind in ihr.
Wir sind nicht „Pro-Ana“, nicht „With-Ana“, wir sind „Inside Ana“.
Die Assoziation mit „insane“ ist gewünscht. Den das sind wir. Krank. Nicht begehrenswert. Wir schinden uns für nichts, außer einer kranken Faszination und dem unermesslichen Selbsthass.
„Inside Ana“.
Denn wir haben keine Kraft mehr zu kämpfen. Wir sind eins.

Das sind wir. Nicht mehr und nicht weniger.