Gedanken zum Thema Pro und Contra


Es gibt genug Informationen über Essstörungen und SVV im Internet. Es gibt genug Seiten die Diagnosekriterien zeigen, die warnen und abhalten wollen.

Es gibt genauso viele Seiten, die dafür, "pro" sind.

Meine Seite ist keines von beiden.


Die ES ist ein Teil von mir. Ist Teil meines Lebens, Teil dieser Welt, meiner Welt.

Ich habe Bulimie. Ich fresse und kotze. Eine Diagnose habe ich auch bekommen, aber ich brauche keine Diagnose. Es ist nur ein Wort, für einen Zustand den es schon länger gibt.

Ich habe keine Lust in einem Wettkampf mitzumachen, wer die meisten Diagnosen oder das geringste Gewicht hat oder gar am tiefsten schneidet. Ich werde keine Bilder davon machen.


Die ES ist und bleibt ein Teil meiner Persönlichkeit, ein destruktiver Teil. Ich kann versuchen ihn wegzutherapieren, kann versuchen diesen Teil zu "heilen". Ihn zu vernichten bringt keinen weiter. Ich bin nicht stolz darauf und finde es nicht schön, aber es gibt eben diesen Teil, wie den Teil von mir, der Süßigkeiten mag. Menschen sind wie ein Puzzle.

Ich kann nicht sagen: "Geh weg!". Ich hänge an meinen "Problemen".


Die Frage ist, ist es eine Krankheit, anders zu sein?

Ist es wirklich krankhaft, sich Schnitte zuzufügen, um Druck loszuwerden? Tun das nicht alle Menschen, rauchen und trinken? Unter Spannung stehen, ist doch dasselbe wie Druck.

Und wer sagt uns, was wir dürfen und was nicht? Wer bestimmt unsere Grenzen und was wir in Ordnung finden? Die Gesellschaft in der wir leben.

Gibt es den "psychische Krankheiten"? Es gibt Menschen, die anders sind. Aber das sie leiden, ist die Idee einer Gesellschaft. Die Frage ist, leide ich unter meinem SVV oder leiden die anderen darunter?

Was ist mit den Rauchern, den Trinkern? Die Klinge ist so legal wie der Glimmstängel.

Wo Leidensdruck entsteht, kann man Hilfe annehmen.

Aber jemanden zu sagen: Du schneidest dich, das ist falsch, du leidest, das ist ein Unterschied.

Es geht gegen Mehrheit und Minderheit, Gruppierung und Toleranz.

Und was ist mit den Psychiatrien? Den Anstalten? Menschen die sediert, fixiert und emotional kaputt gemacht werden. Einmal im System, einmal krank, du kommst nie wieder raus.

Ich spreche Kliniken nicht alles ab. Wenn es freiwillig geschieht und es nicht nur Medikamente und Fixierung gibt, kann es eine Hilfe sein.

Aber was geschieht den, in unseren Anstalten für "Akut"Fälle? Zwang und Angst dominieren. Bis sie alles Leben, allen Widerstand abgetötet haben. Dir sagen das du einen Betreuer braucht, weil du ja krank bist. Weil die Gesellschaft sagt, wenn du nicht mehr leben willst, bist du krank.


Suizid ist ein komplexes Thema. Liegt die Selbsttötung in der eigenen Hand? Wie viele sagen: Ich bin froh überlebt zu haben?

Selbstmord geht immer ein Entscheidungsprozess voraus. Vielleicht läuft er leise, fast kaum merklich, im Unterbewusstsein heran oder ist laut, Gedanken im eigenen Kopf. Es gibt Kurzschlussreaktionen, aber jemand der "gesund" ist, bringt sich nicht einfach um.

Das Leben ist ein Geschenk und deswegen darf man sich nicht töten! Das ist die Aussage.

Aber wo bleibt das recht auf Selbstbestimmung? Wo endet der freie Wille und wo liegen die Grenzen der Gesellschaft?

In dieser Kultur wird gesagt, es ist krank. In einer anderen, ist man auserwählt. Moralische Werte.

Doch wo bleiben sie, wenn man einem Menschen die Entscheidung, den freien Willen nimmt? Ist dieser Zwang nicht Nötigung? Und ist Nötigung nicht strafbar?


Mir ist schon klar, kaum einer wird das verstehen und Leute, die sich nie damit beschäftigt haben erst recht nicht.

Es sind einige meiner Gedanken und viele Fragen, die ich selbst nicht beantworten kann.

Wahrscheinlich gibt es tausend Antworten.