Mehr über Dissoziative
Störung, nicht näher spezifiziert, und deren Symptome
Quelle: Linehme
Ich war mir lange darüber uneinig, ob
das, was wir erleben, "reell" und "gültig" ist. Dies ist besonders deswegen ein Problem, da wir (als ganze Person gesehen) nicht alle Kriterien für die Diagnose Dissoziative Identitätsstörung
erfüllen, aber trotzdem viele derselben Erlebnisse und Symptome haben. Was sind dies also für Erlebnisse? Es ist das Erlebnis, dass ich mich manchmal wie eine völlig andere Person fühle, mir aber
trotzdem bis zu einem gewissen Grad darüber bewusst bin, dass ich immer noch ich bin. Es ist das Erlebnis, dass mein Bewusstsein mit vielen Stimmen spricht und mich oft von dem ablenkt, was ich
gerade mache. Es ist die Erfahrung zu wissen, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber nicht genau zu wissen, was. Und dann gibt es wiederum Tage, an denen nichts derartiges Außergewöhnliches
passiert.
Was ist Dissoziation?
Wenn jemand dissoziiert, sind die
Verbindungen zwischen Gedanken, Gefühlen, Gedächtnis, Handlungen, Identität oder Bewusstsein getrennt. Jeder hat dies bis zu einem gewissen Grad, aber es wird zu einer "Störung", wenn dies das Leben
behindert, in dem es oft und über einen längeren Zeitraum geschieht. Wenn dir zum Beispiel jemand sagt, dass du etwas gesagt oder getan hast, und du dich nicht daran erinnerst, könnte es sein, dass
du auf ihn oder sie wütend wirst, und später auf dich selbst, weil du gelogen hast oder dich daran nicht erinnern konntest.
Dissoziation stört die normalerweise
integrierten Funktionen von Verhalten, Affekt (Gefühl), Wahrnehmung (z. B. Tastsinn, Hörsinn, Sehsinn), und Wissen (Kognition (Erkennen) und Denken). Leute, die mit DSNNS diagnostiziert wurden, haben
normalerweise bemerkbare Dissoziation in Form von Trancezuständen (d. h., sind geistig weggetreten, Amnesien, Depersonalisation (wie z. B., sich selbst zu sehen, als würden sie sich beobachten),
Halluzinationen, verschiedene Stimmen in ihrem Kopf, die wie multiple Bewusstseinszustände sind, schnelle Regressionen (Zurückfallen auf frühere Entwicklungsstufen), und Veränderungen bei Wissen,
Fähigkeiten und Fertigkeiten, die der Betroffene sich nicht erklären kann. Einige Erfahrungen und Symptome, von denen dissoziative Leute berichten:Du fühlst dich, als hättest du kaum ein
Ich-Gefühl... manchmal fühlst du dich "leer" und abwesend und manchmal hasst du dich von ganzem Herzen. Dann gibt es wiederum Momente, in denen du dich klasse fühlst und denkst, jeder andere ist
ätzend.
Du fühlst dich, als wärst du nicht in deinem Körper, oder dein Körper gehört dir nicht, oder vielleicht, als wäre die Welt um dich herum so, wie wenn du gerade in einem Traum bist. Erlebnisse dieser Art tauchen üblicherweise auf, wenn das Leben stressig wird. Aber viel öfter fühlst du dich ignoriert, zurückgewiesen, "andersartig", "besonders" oder "als würde dich niemand wirklich verstehen".
Die Ärzte haben dir folgende Diagnosen gestellt: Depression, Angststörung, Persönlichkeitsstörung, Bipolare affektive Störung (Anm. d. Übers.: früher manisch-depressives Irresein genannt), und vielleicht auch Schizophrenie. Du hast womöglich oft Schwierigkeiten zu schlafen, denkst an Selbstmord, beschuldigst dich selbst, hast Gefühlsschwankungen, es fällt dir schwer, dich auf Sachen zu konzentrieren. Andere Leute haben dir gesagt, dass du launisch, zerstreut und reizbar bist, und das du ein geringes Selbstwertgefühl hast. Sie bezichtigen dich vielleicht oft, dass du bei Sachen lügst, obwohl du weißt, dass sie stimmen. Vielleicht weinst du viel und fühlst wenig Hoffnung. Manchmal hast du ein wirklich schlechtes Gedächtnis. Wenn du einen Test, eine Klausur oder eine Arbeit schreibst, ist dein Gedächtnis wie ausradiert und nichts kommt dir bekannt vor, obwohl du dir sicher sein kannst, dass du es gelernt hast. Zu anderen Zeiten fliegen dir Gedanken, Erinnerungen und Einfälle schneller zu, als du sie verarbeiten kannst.
Du bist leicht zu erschrecken. Du hast Angst vor Dingen, vor denen du deiner Meinung nach keine Angst haben solltest. Zu anderen Zeiten wiederum stören dich diese Dinge überhaupt nicht. Oft kannst du es nicht ausstehen, alleine zu sein, und dann gibt es wiederum Zeiten, in denen du es nicht ertragen kannst, mit Leuten zusammenzusein, und du ziehst dich zurück.
Du kannst dich nicht gut an die Gesichter von Menschen erinnern. Manchmal erkennen dich Leute wieder und sprechen dich an, aber du hast sie nie zuvor in deinem Leben gesehen. Oder vielleicht sprechen sie dich mit einem anderen Namen an. Du berichtigst sie, denkst, dass sie dich mit jemandem verwechseln. Darauf beginnst du, an dir zu zweifeln.
Manchmal erinnerst du dich nicht daran, was du mehrere Stunden lang gemacht hast. Vielleicht besitzt du Rechnungen für Sachen, die du nicht gekauft hast. Du denkst, dass sich vielleicht jemand einen Scherz mit dir erlaubt hat. Vielleicht fällt dir auf, dass du dich bis zu einem gewissen Alter kaum an deine Kindheit erinnern kannst.
Manchmal hast du eine "Mattscheibe", du fällst für eine Weile in "Trance". Danach weißt du nicht mehr, was währenddessen um dich herum passiert ist, manchmal weißt du sogar nicht einmal mehr, woran du dabei gedacht hast. Du weißt nicht, warum. Wenn du dich an wichtige Informationen erinnern musst, wie etwa deinen Namen, kannst du dich nicht daran erinnern und musst in deinem Führerschein nachsehen. Vielleicht findest du dich manchmal an einem Ort wieder, nachdem du jemand anders warst, und weißt nicht, wie du dahingeraten bist, oder was zwischendrin passiert ist.
Es haben dir schon manchmal Leute gesagt, dass sie aus dir nicht "schlau werden". Sie erzählen dir, dass du nicht du selber warst. Was wichtige ist, ist, dass du dich nicht wie du selbst gefühlt hast. Du denkst, du hattest dich unter Kontrolle, aber du sagst und tust oft Sachen, ohne zu wissen, warum du sie immer wieder tust, ohne dass du es möchtest... und du fühlst dich danach schlecht.
Du führst Selbstgespräche (manchmal laut, manchmal in deinem Kopf), und wenn du das tust, sind die Stimmen auffällig verschieden. Du hast Namen für die Teile, aber du kannst dies natürlich niemand anderem erzählen, sonst würde er oder sie denken, dass du wahnsinnig bist. Du bist verwirrt, was deine Überzeugungen, Wertvorstellungen, vielleicht auch deine sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität anbetrifft. Manchmal hörst du Dinge, von denen du weißt, dass sie nicht da sind, oder eine Stimme sagt dir, was du tun sollst, vielleicht befiehlt dir auch eine der Stimmen, dich selbst zu verletzen. Manchmal denkst du wirklich, du bist schlecht. Danach weißt du wiederum nicht, warum du sowas gedacht hast.
Unsere Erfahrungen aus einer
kollektiven Sichtweise
In Stresszeiten werden unsere inneren
Wahrnehmungen sehr auffällig. Verschiedene Teile in unserem Kopf streiten oft miteinander und machen sich der Außenwelt gegenüber als ein zeitweise sehr unbeständiger Mensch bemerkbar. Dies kann
bedeuten, dass wir einen Freund mal als fies und nicht vertrauenswürdig sehen und mal als den besten Freund auf der ganzen Welt. Zu einigen Zeiten fühlen wir uns großartig, und die ganze Welt ist
gegen uns... und zu anderen Zeiten sind wir so schlecht, dass wir die ganze Schlechtigkeit mit den Händen aus uns rausprügeln müssen oder indem wir unseren Körper schneiden.
Manchmal kann die Welt sehr
grauenerregend sein, und wir müssen uns vor ihr verstecken. Zu anderen Zeiten fühlt sie sich wie ein Traum an. Manchmal fühlen wir uns, als wären wir 30, 16, 8 oder 5 Jahre alt... statt 25, unserem
wirklichen Alter. Manchmal fühlen wir uns ohne irgendeinen besonderen Grund großartig. Manchmal fühlen wir uns leer und taub. Und manchmal können wir uns nicht daran erinnern, was vielleicht eine
oder zwei Stunden lang passiert ist.
Wir sind leicht zu frustrieren und
fühlen uns schnell überwältigt. Es ist uns bewusst, dass wir zu verschiedenen Zeiten je eine andere Sichtweise auf die Welt haben, die sich binnen Minuten ändern kann... aber wir können nicht immer
ausfindig machen, warum, und wie wir zu dem zurückkehren können, wie wir uns davor gefühlt haben. Wir verlieren uns oft in Tagträumen, und gelegentlich fühlen wir uns verloren und leer, oder als wäre
die Welt nicht so, wie sie gewöhnlich erscheint. Manche Leute würden sagen, wir sind manchmal irgendwie "weggetreten" oder "nicht da". Kritik tut uns sehr weh. Wir reagieren auf bestimmte Wörter oder
darauf, an bestimmten Stellen angefasst zu werden, sehr empfindlich, und wir haben viele Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, die dazu neigen, sehr unbeständig zu sein.
